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Conor Oberst – «Sausalito»

SOTW #14-2010

Wenn Conor zum Osterbrunch kommt

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Das ewige Problem des Journalismus ist ja, dass man was zu berichten haben sollte, wenn man sich zu Wort meldet. Dies gilt insbesondere für mehr oder minder profunde Blogs, die von weniger als der Hälfte eines kleinen Freundeskreises gelesen werden. Man muss sich zwecks Inspiration also in regelmässigen Abständen dem gesellschaftlichen Leben stellen und bei der Social-Extreme-Paralymipics mitmischen: Sich blamieren und dumm stellen, Leute vor den Kopf stossen, politisch inkorrekte Meinungen vertreten oder idiotische Veranstaltungen besuchen und so zwischenmenschliche Reaktionen auslösen, die sich dann in bisschen erweiterter und teilweise zensierter Form als Kolumne verwenden lassen.

In meinem sozialen Umfeld bietet sich beispielsweise an, Freunde ans Tokio Hotel Konzert einzuladen; Carl Hirschmann Ostereier ins Gefängnis bringen; öffentlich den FCZ mit dem ZSC verwechseln; Wikipedia in der Dissertation zitieren; seine tiefe Trauer über die Absetzung der Sendung Swiss Date in einem Leserbrief bekunden; eine Diskussion mit dem Argument „ich habe in der Weltwoche gelesen, dass...“ bereichern; einen Kindergeburtstag bei einem Priester organisieren; sich im Reisebüro über Flüge nach Libyen erkundigen; nicht wissen wo die nächste Sammelstelle ist, weil man noch nie was ausserhalb eines Zürisacks entsorgt hat oder in Betracht ziehen am 1. Mai zu arbeiten. Für ganz harte Fälle und Finalläufe der Köngisklasse empfehlen sich auch immer wieder das Ja zur Minarett-Initative oder der Israel-Palästina Konflikt und zwar vor allem dann, wenn man beim ersteren Ja gestimmt hat und beim letzteren pro-israelisch argumentiert. Es sollte noch erwähnt sein, dass häufige Nebenwirkungen einer Teilnahme bei einer derartigen Social-Extreme-Paralympics öfters in Form einer Kündigung von Job und Freundschaft auftreten.

Diese Art der Inspirationsbeschaffung ist demnach ziemlich anstrengend. Deshalb hab ich mir für diesen Beitrag etwas anderes überlegt und kurzerhand meinen guten Freund Conor Oberst zum Osterbrunch eingeladen. Das dürfte euch doch sicherlich auch interessieren. Conor und ich sind schon seit seinen Bright Eyes (und diversen anderen Bands) Zeiten ganz dicke. Er kommt immer wieder mal bei mir vorbei und wir tauschen uns aus über Gott und die Welt. So sind wir uns einig, dass Siege auch auf billigen Plätzen sehr süss sind (Cape Canaveral), dass die Sonne noch bei jeder Traurigkeit helfen konnte (Sausalito), dass keine Probleme existieren, die auf Reisen nicht gelöst werden könnten (Moab), dass kein System und keine Garantie für das bestehen einer Liebe existiert (Danny Callahan) und dass man nicht im Spital sterben sollte (I don’t want to die in the hospital).

Conor hat mir natürlich auch seine neuesten CD’s mitgebracht. Zum einen Outer South von seinem Projekt Conor Oberst and the Mystic Valley Band, zum anderen hat er auch nach drei verspeisten Schoggiosterhasen nicht aufgehört über Monsters of Folk, seine neue Gang, zu sprechen. Es blieb mir also nichts anderes übrig als reinzuhören. Und ich find’s super. Ein Festival der Superlative, wenn man diese Musikrichtung mag. Trotzdem besuch ich ihn nächstes Mal lieber in Sausalito, denn das klingt für mich immer noch am schönsten.

Interpret: Conor Oberst, US
Album: Conor Oberst
Song: Sausalito
Jahr: 2008

Internet: Conor Oberst and the Mystic Valley Band, Monsters of Folk

Empfohlene Tätigkeit beim Hören dieses Songs: Völlerei und anschliessend das Verdauungskoma in der Horizontalen mit der Frühlingssonne auskurieren.

Artwork: Lea für sotw





Comments

cooler text, leider bin ich mit dem herr oberst viel zu schlecht vertraut. die monsters of folk scheibe hätte ich mir ja gerne angehört, aber leider hat sie der elitär-nostalgische herr t. als lp gekauft! und eine scheibe zu ritzen ist einfach nicht so einfach wie eine zu brennen.. ;)

tststs, herr t. und seine musikalische egomanie. frechheit. ;-) genau deshalb hab ich die nostalgie hinter mir gelassen und mich in die musikwelt 2.0 gestürzt. und weil herr t. ja nebst seinem elitarismus uns auch noch seinen zeitgeist in form eines immer besser werdenden web marketing aufdrängt, kann man die diskutierten platten gleich nach dem lesen per mausklick kaufen.

pscht lea, wir hatten doch abgemacht, dass unsere leser nichts darüber zu wissen brauchen, dass wir hier nur pseudo-hinter-und-untergründigen content reinschmeissen, um werberelevante leser an einschlägige online-shops zu verweisen und dabei fett abzusahnen!!
übrigens hier habe ich mal meinen senf zu einem "bright eyes" konzert gegeben ;)
http://hgssenf.blogspot.com/2005/03/fledermausland.html

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