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Peter Fox - «Der letzte Tag»

SOTW #36-2010

Wenn Sophie Geschichten erzählt

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An ihrem Küchentisch wurden dieses Jahr schon viele Pläne geschmieded, Rotweinflaschen geleert, Tränen vergossen, Zigaretten geraucht, Männer verflucht, Gesellschaften analysiert und Lebensentwürfe verworfen. Sie kann bis tief in die Nacht schwätzen, bis zum Morgengrauen schreiben. Sie ist chaotisch und leidenschaftlich, hat ihr Leben mal mehr, mal weniger im Griff. Vor allem aber begibt sie sich nicht selten in merkwürdige, groteske, absurde und ironische Situationen. So hat sie bisher genug Geschichten für das Kuriosenkabinett des Lebens erschaffen. Wie zum Beispiel ein spontaner Wohnungswechsel nach Hamburg, wo sie in die eigene Wohnung einbricht und mit Peter Fox im Volkspark abrockt. Das möcht ich euch natürlich nicht vorenthalten. Und für was hat man Freunde, wenn nicht dafür, dass sie sprechen, wenn man selbst die Worte nicht mehr findet?

"Angefangen hat meine Woche mit etwas, das stecken geblieben ist. Mein Schlüssel. Leider auf der falschen Seite der Tür. Nach einer feuchtfröhlichen - muss sagen: all abendlichen- Weinsause mit meinen WG-Gspöndli, wollten wir gerade Nachschub besorgen als mir beim Verlassen der Wohnung eben dieses Malör passierte. Nachdem meine Gspöndli mich fertig ausgeschimpft hatten, versuchten wir die letzten unversehrten Gehirnzellen unserer Weinnebeldunstduselköpfe zusammenzukratzen und einen Plan zu schmieden. Mitbewohner 1 wollte sich wagemutig aufs untere Fensterbrett stellen um mit einer eleganten Hechtrolle das Balkongeländer zu fassen kriegen. Nach ein paar Versuchen verwarfen wir diesen Einfall aber ganz schnell wieder, weil wir A: Vom Bewohner des unteren Fensterbrettes des Einbruchs bezichtigt wurden und B: einsehen mussten, dass man in der Luft beim Sprung keine Kurven schlagen kann, auch wenns noch so ne schöne Hechtrolle ist. Nächster Plan also: Wir besteigen uns gegenseitig damit Balkon bestiegen werden kann. Natürlich muss ich den obersten Part übernehmen, da ich trotz Frikadelle und Kartoffelsalat noch die Leichteste bin. Als wir da also wie die Bremer Stadtmusikanten in dunkler Nacht unsere Kunststückchen vollführen, bekomme ich tatsächlich mit dem kleinen Finger das Balkongeländer zu fassen. Die Bremer Stadtmusikanten fallen in sich zusammen und haben weit unten auf dem Boden einen Lachkrampf -ich habe derweil ein Stockwerk höher, waagerecht an der Aussenseite unseres Balkons einen Arschkrampf. Schlussendlich hat sich herausgestellt, dass meine spärliche, sportliche Beteiligung am Leben doch nich für die Katz war und ich hab mich mit einem graziösen Hüftschwung übers Geländer gehievt..So weit, so gut.Soviel dazu.

Am Freitag ging die Woche dann dem Höhepunkt entgegen: Der Volkspark rockt. Peter Fox singt von Träumen, Energie und davon, was Besonderes zu sein. Die bereits leicht angeherbstelten Bäume swingen im Wind und ich steh mitten drin. Der Abendhimmel schimmert im Gleichklang zu den Hoffnungen, die er mit seinen Beats in mir erweckt und ich lasse los, tanze und bin da. Kann nich aufhören zu grinsen und fasse plötzlich neues Vertrauen zu mir und dem, was das Leben wohl noch für mich bereithält. Gut, ich gebs zu, Caiprinha und eine ganze Menge Marihuana tun ihr übriges. Wie alt bin ich nochmal? Von Stadtaffen singt er, grossen weiten Strassen und dem Genuss, nur so bei sich zu sein, weil man anonym ist in diesen grossen Strassen und der Asphaltwüste und so weiter...dann singt er von Steinen...ich Steine, du Steine...vor Ergriffenheit bekomm ich Magenkrämpfe und muss mich irgendwo festhalten um nicht umzukippen. Seine Freundin hat ihm Steine gekocht, die jetzt in seinem Bauch liegen und er braucht jemanden, der ihn aufschneidet. Grimm schickt Grüsse. Da gibt es schon ganz viel in mir, das noch nich genug hat vom Leben und sucht und sucht...und manchmal denk ich:...und einfach nich findet. Stimmt aber nicht. Ich bin einfach nur nie zufrieden. Davon singt er auch und das berührt mich dann noch mehr. Nach 90 Minuten hab ich vor lauter Euphorie meinen eigenen Namen vergessen. Heute noch klebt der halbe Volkspark in meinem Halstuch und ab sofort is Hamburg Peter Fox - Nothing else!"

Interpret: Peter Fox, D
Album: Stadtaffe
Song: Der letzte Tag
Jahr: 2008

Internet: Peter Fox, Der letzte Tag auf Youtube

Empfohlene Tätigkeit beim Hören dieses Songs: Sich aufs Feiern vorbereiten.

Artwork: Sophs, my dearest slob.





Comments

Danke!
Diese Texte...mit einer Inbrunst und Soul vorgetragen, dazu braucht es die stimme von Peter the City Fox.
Wenn ich seine Worte höre kann ich den Dreck riechen und den Lärm hören, die süsse Dramatik, die uns in einer Stadt begegnet.

Olé, long live Peter the Fox

Jep, geht mir genau so. Erstaunlich, wie jemand etwas eigentlich Hässliches, so seelenvoll beschreiben kann...

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Geschichten, die die Musik schreibt. 1x pro Woche, mit tollen Metaphern.

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