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The Zutons - «Dirty Dancehall»

SOTW #21-2007

Wenn Zürich volksfestet

sotw_thezutons.jpg

Der Besuch des Konzerts von The Zutons, begleitet vom fachkompetenten SOTW-Team, ist so ziemlich das einzige, was ich in meinem Leben je gewonnen habe (Ich bitte an dieser Stelle auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen zu verzichten, die diesen Gewinn irgendwie relativieren könnten). Alleine dieser interne Betriebsausflug würde eigentlich genügen, um der Band einen Eintrag auf dieser Seite zu sichern (Die Vorband wurde schon versongoftheweekt). Bislang gab es jedoch nie eine zur Musik oder zur Band thematisch passende Hintergrundgeschichte. Doch dann kam wiedermal das Zürifäscht.

130 Festwirtschaften, 250 Verpflegungsstände, 290 Markthändler, 1,2 Millionen PET-Flaschen, 300'000 Liter Bier, 100 Tonnen Eis zum Kühlen, 500'000 Würste, 162 Tonnen Abfall, 370 sanitäre Bagatellfälle, 44 Hospitalisierte, 450 S-Bahn Extrazüge und über 2 Millionen Besucher. Das ist das grösste Volksfest der Schweiz. Es gibt auch Flugshows, Feuerwerke, Chilbi, Tombola, lebensmüde Töfffahrer in der Luft, Konzerte. Und halt viel Spass. Sagt man zumindest. Die 9 vermissten Kinder, die an ihre Eltern zurückgegeben werden konnten, hatten den sicher. Von den anderen weiss man es halt nicht.

Das letzte Mal, als die Agglo und Ausserkantönler nach Downtown Switzerland in die little big City partymachen kamen, da durfte ich mich hinter meiner Bar verstecken und arbeiten. Oder die gebrochene Nase meines Bruders begutachten, die er sich als Andenken an das lustige und ausgelassene Publikum an diesem Freudenfest hat verpassen lassen. Dieses Jahr ging ich als Besucher hin.

Menschenmassen liegen mir nicht. Erst recht nicht die Volksfestsorte. Je mehr Extrazüge der S-Bahn, desto abscheulicher finde ich nämlich das Publikum. Ich hasse Chilbis. Wenn Töfffahrer fliegen sollten, währen sie Flugpiloten. Und die nerven sowieso. Alles andere, was nicht in der Luft ist, sehe ich an solchen Anlässen aufgrund problematischer Grössenverhältnisse eh nicht. Tombolas gehe ich ja aus dem Weg (siehe oben). Ich hab immer gedacht, dass Zürich auch ohne Fest schon ein sehr breites kulinarisches Angebot hat, man bedenke beispielsweise die vielen (verschiedenen?) Kebab-ich-verkauf-auch-Wurst-Läden am Anfang des Dörflis. Aber wenn die auch mal Openair feiern möchten, dann dürfen sie dies natürlich gerne tun, auch gleich 250-fach. Und dass am Zürifäscht nur gesoffen wird, ist ja hinlänglich bekannt. Ob weil oder wegen kann jeder für sich ausmachen. Die Stadt gleicht in den frühen Morgenstunden auf alle Fälle einem nicht auszudenkenden Kuriosenkabinett. Die Feuerwerke hingegen sind schön. Leute, die selbige fotografieren, gehen aber gar nicht.

Bitte, liebe Leser, verkneift euch jetzt die leidige Frage nach dem Warum meines Besuchs und lasst mich mit den Worten der Zutons schliessen, die dieses Lied sicherlich während ihres letzten Zürifäscht-Erlebniswochenends geschrieben haben:

„Everyone’s dancing, feeling fine
But looking like Zombies, as though they’re dying
I stood alone in the darkened room
My mouth is dry and my heart goes boom

This is just a night in the city of culture
But everyone’s whacked and looks like vultures“

Interpret: The Zutons, UK
Album: Who killed the Zutons?
Song: Dirty Dancehall
Jahr: 2004

Internet: Band, myspace

Empfohlene Tätigkeit beim Hören dieses Songs: Bei Dämmerung S-Bahn fahren. Oder auf Festbänken rumtanzen und dabei eine Wurst essen.

Artwork: Lea für SOTW





Comments

ach lea, tolle collage! okee die wurst wirkt sehr realistisch, fast schon zu verwechseln mit ähm, naja lassen wir das.

Hab mich auf jedenfall köstlichst amüsiert. Können ja das nächste mal ne anti-bewegung starten. Gad z leid... Wer wär dabei?

ansonsten gerne bald wieder mal auf n Bier/Wein oder auch ne Wurst...?

Grusserl

Lu

apropos zürichfääääscht: "Im Huus" von "Radio 200 000" mit lines wie: "Zürifäscht, Zürifäscht, Paar ad Schnurre am Zürifäscht!" oder "Goldküste wämmernöd, will sie scho zu St.Galle ghört.. " LEGENDÄR! (Dieser Beitrag verzichtet auf diskriminierung von Minderheiten, besonders mitglieder der Redaktion. Es besteht kein Kaufzwang etc und sowieso...

liebe lea. war auch da. fands auch nicht sooo toll. also freitag war ja so richtig schlecht. samstag von der weid aus ging, war sogar toll, also schön, irgendwie. irgendwie aber auch unnötig, fluchtartig die stadt verlassen. da waren dann auch ganz viele gemütliche leute, keine wurst und auch kein rumpupertieren ohne ende. auch alle anderen arten der ausschüttung von hormonen fanden da so nicht statt. toll. auch scherben hatte es da keine, man konnte sich auf den boden setzen. man stelle sich das mal vor, in zeiten des zürifests, auf den boden. und ja, zum schluss, 1.78 (auch nicht alle welt) waren ausreichend um auch jeden bodenkracher am seeufer von ganz oben herab zu geniessen. da geh ich wieder mal hin. mhmmm

Ha! Den Platz kenn ich auch...und zwar vom 1. August! Im Beisammensein von Ömis und Wolldecken das Feuerwerk anschauen: ein echtes Highlight ;) !

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